Festschrift Freiwillige Feuerwehr Lieblos

12 Chronik Geschichte der Feuerwehr Gründau - Lieblos Das Vortragen einer Chronik ist nach Erfahrung und Erleben immer ein Spagat zwischen dem Wecken von Interesse und langweilender Pflicht. In einer Zeit aber, in der die meisten unserer Mitmenschen den schnellen Erfolg für das Jetzt und dann die nahe Zukunft suchen, bedeuten dieses Vergangene gleich Geschichte sehr wenig! Verdeutlicht wird diese Feststellung durch die häufig zu hörende Aussage: “Was interessiert mich gestern – ich lebe heute und jetzt!“ Derweil bedeutet Geschichte auch Zukunft, denn Herkunft spielt auch eine bedeutende Rolle im menschlichen Leben. Konkret ausgedrückt ist dieses die interessante Frage: Woher kommen wir, - die Feuerwehr Lieblos - und wohin werden wir gehen? Deshalb möchte ich mit dem Ansprechen der wichtigsten Ereignisse unserer Wehr in den vergangenen 90 Jahren gleich Chronik genannt, diesen Spagat in Richtung Interesse zu verschieben suchen. Die Geschichte einer Freiwilligen Feuerwehr ist immer auch mit der Geschichte ihres Ortes positiv und eventuell auch negativ eng verwoben. So war das frü- her, so ist es jetzt und so wird es auch, komme was da wolle, in Zukunft sein. Beim Durchstöbern alter Festhefte anlässlich unseres 40-jährigen Jubiläums entdeckte ich eine Schilderung unseres Dorfes Lieblos von 1806, die zum Schmunzeln anregt, aber auch zum Nachdenken über die danach einsetzende Entwicklung animiert. Ich zitiere: „1806 bestand das Dorf Lieblos aus 144 Häusern mit einem Tor und einem Bach. Man sieht hier ein Schulhaus, 2 Gasthäuser, die neue Herberge, eine Brauerei und die Kin- zigmühle. Der Ort zählt 697 Einwohner. Außer den gewöhnlichen „Professionisten gab es 3 Strumpffabrikanten und keine Gemeindebacköfen. 65 Gespannhalter, 80 Stück Zughorn Vieh, Viehherden bestehend aus Kühen, Schafen, Gänsen und Pferden bilden die damalige „Infrastruktur“ des Ortes! Die Standesherrschaft bezieht den Zehnten. Ein Ziehbrunnen versieht das Dorf hinreichend mit Wasser. Ein Steinbruch am Herzberg, der roten Sandstein liefert, mehrere Tonkauten liefern Töpferton, sie bilden einen ersten „industriellen“ Schritt. Der Viehbestand ist nicht der Beste. Im Ort ist ein Hofgut*. Es gibt drei Brandweinbren- nereien! Der Liebloser Wein ist sehr angenehm und feurig. Die Feldwege sind in einem schlechten Zustand, die Feldpolizei ist nicht die Beste.“ Über Brände und deren Bekämpfung konnte ich nichts finden! Diese, aus heutiger Sicht, sehr amüsante Beschreibung möchte ich zum Besten geben, um konkret einmal in die Vergangenheit zu gehen und den Bogen zu heute der Dorfgeschichte und zu un- serer heutigen Realität zu spannen. * Der heutige Standort unseres Gerätehauses.

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