Schelmenmarktheft 2023
72 Die Seestraße von Daniel Christian Glöckner Weder einen See, noch den Blick zur See gibt uns diese Straße frei: die „Seestraße“. Die Straße „beginnt“ beim „Wächter an der Kinzig“ – dem Schifftorturm, der urkundlich 1334 fertiggestellt wurde und Teil der 1361 erwähnten äußeren Stadtmauer ist. Man will es heute kaum glauben, aber Gelnhausen war eine Fluss-Hafenstadt. Im Bereich vor dem Turm in Richtung Blei- che war die Gelnhäuser Schifflände - der Stadthafen - angelegt. Die Schifffahrt auf der Kinzig muss schon zur Römerzeit be- standen haben: mindestens von der Mündung in den Main bei Hanau bis zum Kastell in Rückingen. Neben der Kreuzung berühmter Straßen war die Schiffbarkeit der Kinzig auch eines der maßgeblichen Argumente zur Gelnhäuser Stadtgründung im Jahre 1170. Zwischen der Mündung bei Hanau in den Main und dem End- punkt am Gelnhäuser Hafen gab es keine Siedlung, die den Schiffsverkehr einschränkte und somit war freie Fahrt nach Gelnhausen gewährleistet. Talabwärts schwammen die Kähne mit dem Strom, in der Gegenrichtung mussten sie mit Pferdegespannen bergauf ge- treidelt werden. Gelnhausen war aufgrund seiner Lage und aus seiner wirtschaftlichen Bedeutung heraus beauftragt, für Sicherheit am Flusslauf zu sorgen und dem Reich Dienste zu erweisen. So beauftragte im Jahre 1405 Kaiser Albrecht II. Geln- hausen, die Burg Rückingen von der Wasserseite her zu bela- gern und zu bewachen. Im Mittelalter hatte die Kinzig eine „beschiffbare“ Breite, die sie in späteren Zeiten durch Begradigungen einbüßte. Mit dem Wachstum der Stadt entstand bald die Zunft der Schiffleute, zu denen teilweise auch Wagner und Schmiede gehörten. Ihr Zunftsiegel wird heute noch im Archiv aufbewahrt. Die meis- ten Zunftmitglieder siedelten damals im „vicus nautarum“, Die Namensgeberin: die Bleiche. Wäschetrockner gab es damals noch nicht Die Seestraße im weißen Wintergewand. Hier noch mit den jungen Allee-Bäumen. Aufgrund der unterirdisch verlegten Infrastruktur heute nicht mehr möglich. Schubkerrnrennen anlässlich des Schelmenmarktes.
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